31 August, 2011

Produkt des Monats September

Das Spar-Motorrad. Überall wird gekürzt, reduziert, eingespart. Hier ist das ideale Gefährt für Menschen, die dennoch schnell von A nach B kommen wollen. Gleichgewichtsprobleme sollte man allerdings keine haben...

Buch des Monats September

Michael Palin: "Hemingways Stuhl", Haffmans Verlag 1996 sowie einige andere Ausgaben.



Ja, das ist DIESER Michael Palin. Der von den Monty Pythons. Und ja, dieser Roman ist nicht brandneu. Dennoch hat er uns wunderbar durch den Sommerurlaub begleitet. "Hemingways Stuhl" ist kein Schenkelklopfer, sondern ein subtiler und sensibler, sehr britischer Roman. Es geht um die Rettung einer Postfiliale, vielleicht aber auch um eine ziemlich großartige Auseinandersetzung mit Globalisierung, Liberalisierung und dem Triumph der Karriere über die Moral. Wer will, kann im skrupellosen jungen Manager, der reihenweise Postler rausschmeißt und selber heimlich mit der Konkurrenz windige Deals abschließt, überwältigende Parallelen zu Leuten wie Peter H., Karlheinz G. oder Walter M. entdecken. Eine zweite nicht weniger wichtige Geschichte in Hemingways Stuhl bildet die Liebe des Helden Martin zum Autor Hemingway, die daraus resultierende Sammelleidenschaft und die intensive Diskussion mit einer amerikanischen Uni-Lektorin, die letztlich zu einer seltsamen Beziehung der beiden führt. Ein schönes und im Übrigen auch sehr gut übersetztes Buch, das auf amazon nach wie vor erhältlich ist. Die dort zu findenden, großteils negativen Kritiken können Sie getrost vergessen.

Video des Monats

Die Lachmaschine. Gesehen bei Peter Glaser. Wie wünschte man sich doch so eine Maschine in Zeiten wie diesen.

12 August, 2011

mygraz.at fragt

09 August, 2011

Konzert-Tipp

Wolfram Berger & Klezmer Reloaded – „Kriminelle Karpfen“



Die Worte, mit denen Wolfram Berger jongliert, stammen von Isaac Bashevis Singer oder Groucho Marx; Worte, Sätze und Geschichten, die in einem besonderen Zauber Gegensätze vereinen. Da steckt im schärfsten Sarkasmus noch Menschlichkeit, im trockensten Humor der Ernst des Lebens, im brüllenden Lachen Melancholie. Das gilt auch für die Musik, die die Texte umrahmt, begleitet und doch stets für sich allein wirkt: Klezmer, vermischt mit Jazz, Chanson, Tango und mehr... aufgeraut und angekratzt.



Wolfram Berger – voc; Alexander Shevchenko – acc; Maciej Golebiowski – klarinetten, duduk, sax; Christoph Petschina – bässe; Peter Rosmanith – perc

10. Aug. 2011 um 20h
Die Brücke Graz, Grabenstraße 39 a

05 August, 2011

La Strada Blog / 9

"Schöne Schleier" von Novak & Leyrer, Koproduktion von La Strada 2011




Es sind nicht wirklich Burkas, die da plötzlich auffallend viele Damen (und ein Mann!) in der Innenstadt tragen, sondern Niqabs. Der Schleier mit einer freien Zone für die Augen wird von Novak & Leyrer als modisches Kleidungsstück inszeniert. Die kleine Gruppe begann mit einer Shopping Tour, später widmete man sich der Gartenarbeit in aller Öffentlichkeit. Heute saß und plauderte man am Hauptplatz, ehe die Verschleierten durch die City schlenderten. Selbst eine Arbeitssuche und eine Runde als Radtaxlerin wurde absolviert.



Die Reaktionen sind meist positiv, aber nicht nur. Geschimpft wird interessanterweise recht oft von Frauen, womit wir schon beim eigentlichen Thema der Veranstaltung sind. Der Schleier, so Novak und Leyrer, wird in den allermeisten Fällen freiwillig getragen, viele Vorurteile, die wir in Mitteleuropa mit uns herumschleppen, sind blanker Blödsinn. Bezeichnend ein Zitat, das ein Bekannter Stefan Novaks von sich gab: "Ich weiß ehrlich gesagt nichts davon, aber ich hab eine Meinung: Ich bin dagegen."



Die Performance will konfrontieren und informieren - und zwar auf unverkrampfte Art. Durch Gespräche und Begegnungen. Wir meinen: Übung gelungen, bitte fortsetzen!

La Strada Blog / 8

Theater Titanick: "Titanic"




Grazer Messe. Ein großer Platz, zwei Tribünen, hoch aufragende Schiffsteile. Das Theater Titanick (!) geht an das berühmte Thema mit sehr deutschem Gehabe heran. Mit schneidigen Kommandos und zackigen Bewegungen wird das Schiff aufgerichtet, dabei wird auf Metallteilen herumgeklopft, dass der alte FM Einheit von den Einstürzenden Neubauten seine Freude gehabt hätte. Oder auch nicht, denn die Musik ist generell kein großes Plus an dieser Produktion. Dazu kommt die seltsame Distanz zwischen Schauspielern und Publikum. Es gibt viele kleine skurrile Szenen, Feuer steigt auf, Raketen schießen in den Himmel und im Verlauf der Handlung spritzt auch jede Menge Wasser aus allen verfügbaren Leitungen. Trotzdem bleibt alles abstrakt, es kommt beim besten Willen keine Spannung auf. Die Passagiere amüsieren sich, die Mannschaft kämpft gegen den Untergang, aber beides läuft schaumgebremst ab. Ein paar nette Regieeinfälle gibt es zweifellos, aber in Summe wird diese Aufführung nicht in Erinnerung bleiben - ganz im Gegenteil zu vielen anderen Produktionen in dieser La-Strada-Woche.

Noch zu sehen am 6. August um 21 Uhr am Grazer Messegelände
© Foto: Theater Titanick / La Strada 2011

04 August, 2011

La Strada Blog / 7

L'Atelier Lefeuvre & André: "Bricolage erotique"




Sexy, minimalistisch, artistisch und komisch - das ist Bricolage erotique. Ist es abendfüllend, sich ein Seil aus der Hose zu ziehen? Oh Yeah. Ist es abendfüllend, sich Saugglocken an den Bauch zu kleben? Aber hallo! Vor allem, wenn man mit einigen wenigen Versatzstücken und jeder Menge Körpersprache Zweideutigkeiten und Verrenkungen en masse produziert. Ganz groß, sehr spaßig, typisch La Strada.

Noch zu sehen morgen Freitag um 20.30 im Orpheum Graz.
Foto: "Bricolage erotique" L'Atelier Lefeuvre & André, © La Strada / Matthieu Hagene 2011.

03 August, 2011

La Strada Blog / 6

Re:Locations

Der Haubentaucher traf für Blog-Eintrag Nr.6 den Bildhauer Samson Ogiamien am Murufer, wo mehrere seiner Werke für La Strada 2011 gruppiert wurden und auch eine neue, über 2 Meter große, Figur zu sehen ist. Die Installationen machen aus der Uferpromenade einen ruhigen, magischen Ort. Hier einige Zitate des gebürtigen Nigerianers über seine Arbeiten und ihre Bedeutung:


Samson Ogiamien bei der Augartenbrücke

„Re:Locations bedeutet für mich zwei Sachen: Einerseits widme ich es Migranten und Migrantinnen, die ihre Heimat verlassen und nach Österreich kommen. Und dann gibt es Menschen mit Hoffnungen, die sich nicht erfüllen, weil sie vorzeitig sterben. Auch das sind Re:Locations.“

„Die sitzende Figur 'Stranded' wurde für La Strada 2008 gemacht, weil ich in Österreich gestrandet bin als Teil einer unterprivilegierten Gruppe innerhalb der Gesellschaft. Der 'Ausrufer' war meine Abschlussarbeit an der Ortweinschule. Er ist als Sprachrohr für die Gestrandeten gedacht."


Stranded


Der Ausrufer

"Das nächste Werk ist 2009 entstanden. Es zeigt Mutter und Kind und es nennt sich die Heilsbringerin, denn es ist der Wassergöttin Olokun gewidmet. Wenn in meiner Heimat jemand Hilfe braucht, dann bringt er dieser Göttin ein Opfer dar.“


Olokun, die Heilsbringerin

„Dann folgt die Figur mit dem Titel ‚Mit Sack und Pack’, das bedeutet für mich: Egal, was jemand mitbringt bei seiner Migration, er hat immer jede Menge Potenzial mit sich."


Mit Sack und Pack

"Das letzte Objekt nennt sich ‚Ergreifen der Gelegenheit’. Es ist die logische Konsequenz, wenn man gestrandet ist und dann Hilfe bekommt. Daher bin ich als diese Figur aufgestanden und zeige auf die andere Seite der Mur, wo den Verstorbenen gedacht wird. Diese Büsten sind Afrikanern und Afrikanerinnen gewidmet, die in den letzten Jahren hier gestorben sind.“


Ergreifen der Gelegenheit


Noch weiß Samson Ogiamien nicht, wo seine Werke nach dem Festival platziert werden. Er hofft, dass sie noch einige Zeit am Murufer bleiben können. Herr Kulturstadtrat, Herr Kulturlandesrat, bitte übernehmen Sie!

© Fotos: haubentaucher.at

02 August, 2011

La Strada Blog / 5

Circus Ronaldo: Circenses




Wer wollte nicht schon immer wissen, wie es hinter dem Samtvorhang im Zirkus aussieht? Der Circus Ronado bietet nun erstmals dem Publikum die Chance, einen Teil der Vorführung backstage zu erleben. Die Artisten bestechen dabei durch fantastische Komik, durch Timing und Akrobatik. Die junge Blonde hoch auf dem Seil hat dabei ebenso ihre Rolle wie der Zirkuslehrling und der backenbärtige Opa, der andauernd Schläge auf die Glatze bekommt. Ein wilder Reigen mit Messerwerferin und Clown, mit Kanone und ausgestopften Tieren wird da veranstaltet, auf höchstem Niveau, wie man es von den Ronaldos nicht anders gewohnt ist. Ein wunderschönes Zirkuserlebnis für Groß und Klein.

Noch zu sehen bis einschließlich Donnerstag, 4. 8. jeweils um 20 Uhr im Augarten.
© Fotos: haubentaucher.at

01 August, 2011

La Strada Blog / 4

Neville Tranter: Stuffed Puppet Theatre: "Punch & Judy in Afghanistan"

Neville Tranter ist ein begnadeter Puppenspieler und das beweist er auch mit seiner arabischen Groteske. Der junge Niederländer Emile gerät in zwielichtige Kreise und erhält in einer TV-Show schließlich seine zweite Chance. Er reist nach Kabul und flieht mit einem Kamel. Der Rest ist Interpretationssache, Tranter lässt bei seiner Story mehrere Varianten offen. Er handhabt dabei viel Personal, die Geschichte selbst aber zerfällt in ihre Einzelteile, das weitere Geschehen wird immer schwerer nachvollziehbar. Dennoch: Ein interessanter Abend mit vielen erstklassigen Jokes.


eine der Puppen von Neville Tranter nach dem Auftritt...

Danach gab es im Paradeishof trotz trüben Regenwetters eine weitere heiße Party mit Jo Bithume. Wohooo Gruppentänze in Graz - eine Rarität!





Und obwohl es zwischendurch ordentlich regnete: Das Publikum nahm das Wetter von seiner coolsten Seite...



© Fotos: haubentaucher.at

Haubentaucher des Monats August

"Du entschuldige i kenn di", Frosch und Konsorten aus der Josefstadt



Es war ein Monat voll des Grauens auf internationalem Gebiet und voller nationaler Peinlichkeiten (Stichwort: Frau Winter und der Königstiger). Die größten Haubentaucher aber, die saßen in den vergangenen Wochen wohl belämmert in der Justizanstalt Wien-Josefstadt. Sie ließen den falschen Gefangenen frei, weil sich der eine als der andere ausgegeben hatte. Der eine tauchte sofort unter, dem anderen konnten sie nichts nachweisen und so mussten sie ihn ebenfalls enthaften. Nun kündigt die Justiz an, in Zukunft Fingerabdrücke von den Häftlingen zu nehmen, was wir Laien bisher eigentlich als selbstverständlich angesehen hätten. Das, meine Herrschaften aus der Josefstadt, wäre nicht einmal Nestroys dauerbesoffenem Gefängniswärter Frosch passiert.

Link zum Originalbericht auf orf.at

CD des Monats August

DUET(T)/E/S - pumpkin records August 2011



Am Cover eines der berühmtesten Duos der Popgeschichte: Nancy Sinatra und Lee Hazlewood. Innen drinnen eine Reihe sehr gelungener Kooperationen aus Österreich. Die vielleicht beste: Robert Rotifer und der Nino aus Wien, "Trümmerfeld", ein witziger böser Song. Auch die Zusammenarbeit von Rainer Krispel und Ernst Molden mit einer Coverversion von "Für immer jung" sollte es zumindest ins Spätabendprogramm von FM4 schaffen. Aus Grazer Sicht besonders interessant: Eloui & Molto Mosso. Alte Bekannte und neue Stimmen, ein paar große Namen wie I-Wolf und Son of the Velvet Rat und ein paar Newcomer - eine Compilation, wie man sie sich wünscht. Soviel steht fest: Die Jubiläums-CD aus dem Hause Pumpkin Records (Nr. 50!) gehört in jede Pop-Sammlung, die auf sich hält.

Hier vorbestellen

Buch des Monats August

David Gilmour: "Die perfekte Ordnung der Dinge", Fischer Verlag 2011



Der Journalist Gilmour schildert in seinem Buch die Rückkehr seines Protagonisten an Orte der Vergangenheit. Das Riesenrad, in das der junge Mann frisch verliebt einstieg und das er von der Freundin verlassen nach wenigen Minuten verließ. Die Schule, das alte Haus, der Vorgarten, in dem er einst von Drogen berauscht geistig Abschied nahm von seinem besten Freund. Das Buch kann mit Gilmours Bestseller "Unser allerbestes Jahr" nicht ganz mithalten, wenn man Rezensenten Glauben schenken darf. Für uns aber, die wir den Kanadier zum ersten Mal lasen, war es ein großes Vergnügen. Gute nordamerikanische Erzähltradition - und als nächstes knöpfen wir uns das erwähnte Vorgängerwerk vor...

Eigenwerbung des Monats

Der Haubentaucher auf Instagram.




Sollten Sie über ein smart phone verfügen, werden Sie die App vielleicht ohnehin schon kennen: Instagram macht Fotos zu kleinen Kunstwerken, die meisten der jüngst veröffentlichten Fotos auf dieser Website wurden durch entsprechende Filter gejagt. Wenn Sie wissen wollen, was der Haubentaucher gerade sieht, isst, hört oder tut, dann können Sie das mittlerweile auch einfach mit Ihrem Web-Browser erledigen - wir freuen uns über neue Kontakte:

Der Haubentaucher im Bild

Video des Monats

Die Oper von Sydney wirbt neuerdings mit einer berührenden Version von Nick Caves "Ship Song". Jetzt warten wir auf die Antwort der Wiener Staatsoper. Wie wärs mit Wolfgang Ambros und "Es lebe der Zentralfriedhof"?