26 August, 2010

Tonträger des Monats September

Spring and the Land: "outside my window". erschienen 2010 bei early morning melody. erhältlich im Vertrieb bei hoanzl.



Die beiden Grazer Jacques Bush und Marino Acapulco waren schon mal veritable Radiolieblinge unter dem Signet Dogboy, haben es sich aber irgendwie doch anders überlegt und machen als "Spring and the Land" jetzt trotzdem wieder lässig dahinschrammelnden Indie-Pop, wenn man denn diese Bezeichnung verwenden möchte. Klingen manchmal nach den Beatles im 21. Jahrhundert, zuweilen auch wie die Söhne von Neil Young und Bob Dylan. Trotz aller Referenzen eine eigenständige Kreation, ein Unikat sogar in Zeiten der fasergeschmeichelten Musik, die auch Refugien wie FM4 zu erobern droht. Also noch einmal zum Mitschreiben: Zu haben ist dieser Tage eine angenehm unaufgeregte, eben wirklich abgeklärt-lässige Platte auf Vinyl mit drei Songs. Eine ausführliche CD mit 11 Stück gibt es natürlich auch und Downloads finden sich zum Beispiel auf iTunes. Wobei für reale Tonträger zumindest eines spricht: das Coverfoto ist von der Grazer Künstlergruppe G.R.A.M. und könnte an Wert weiter steigen. Anspieltipps: "wasn't i the one" und "who will applaude".

Spring and the Land auf Myspace

Buch des Monats September

"auf und davon", eine Anthologie erschienen im kürbis Verlag 2010.



Vielleicht ein wenig paradox, ein Buch über das Reisen am Ende der Ferien zu besprechen, aber was soll's. "auf und davon" ist eine erstklassige Sammlung von Geschichten, die sich um das Wegfahren drehen. Peter Glaser reist nach Japan. Günther Freitag erzählt gleich drei Geschichten, die Bewegung zum Inhalt haben. Ein Säufer fährt mit dem Motorrad in den Tod. Ein Ingenieur lernt zuerst das Vergessen und dann das Fliegen. Und ein Seemann ergreift die Flucht vor dem tristen Leben am Lande. "auf und davon" verknüpft diese und andere Storys zu einem unterhaltsamen, vielschichtigen Büchlein. Am Ende darf der Austrofred in die Rolle des Wüterichs schlüpfen und spätestens zu diesem Zeitpunkt ist klar: diese Anthologie sollte in keinem guten Haushalt fehlen. Ernsthaft.

Link zur Website des Verlags

09 August, 2010

La Strada Blog #6

Das Finale. Ulik & Le Snob: Glisssssssssendo



Bevor das Festival am und um den Freiheitsplatz feierlich beendet wurde, traten noch Ulik & Le Snob am Hauptplatz auf. Ein feuriges und magisches Konzert, das glücklicherweise vom Regen verschont wurde. Wie ferngesteuert glitten die Musiker über den Platz und spielten dabei Melodien von Nyman und vieles andere mehr. Nach einer halben Stunde gab es großen Applaus und die Gewissheit, dass heuer insbesondere die (für die Zuseher) kostenlosen La Strada Auftritte zu den Höhepunkten gehörten. Ein ungemein breites Publikum, das zu einem guten Teil sonst nicht gerade "kulturaffin" ist, wird da mit neuen künstlerischen Ideen konfrontiert. So gesehen beim Lendspaziergang mit Komplex, aber eben auch bei Ulik & Le Snob. Das sollte man mitdenken, wenn man sich über die annähernd perfekten Auslastungszahlen von La Strada 2010 freut. Wir jedenfalls freuen uns auf La Strada 2011. Und danken unseren Gastautorinnen und allen, die beim Festival "eine Rolle spielten".

05 August, 2010

La Strada Blog #5

Theatre Fragile



Das Messegelände – derzeit eher grau und unfreundlich – Baustellen rundherum...Doch dann beginnt hier eine Bootsfahrt mit
Tiefgang – das Theater Fragile schafft ganz elegant den Spagat zwischen "zum Nachdenken" und "zum Lachen bringen". Und zieht damit die Zuschauer bzw. Mitgehenden langsam, aber sicher in seinen Bann. Dazu sehr schöne Stimmen von alten Menschen, die darüber sprechen, wie sie das Alter erleben – sehr authentisch. Altwerden und Altsein wird weder schöngemalt
noch als ganz schrecklich beschrieben. Für die Kinder ein Spaß und für die Erwachsenen zusätzlich Stoff zum Nachdenken...

Theatre Fragile "Land in Sicht", noch Donnerstag und Freitag bei der Messe, Samstag im Park von Schloss Eggenberg.
Foto: Theatre Fragile.


Familie Flöz



Was soll ich über eine Familie berichten, die in Graz schon so bekannt ist wie kaum eine andere? Die begeisterten Kritiken kann man in den Tageszeitungen nachlesen – doch erleben muss man sie selbst. Noch immer und immer wieder – wie gelingt es diesen Künstlern, immer wieder neue Geschichten zu erzählen – Geschichten, die so wortlos ausdrucksstark sind, dass man meint, zu hören, wo doch keine Worte fallen....Wie schaffen sie es, von Jahr zu Jahr ihre Masken zu verfeinern und Gefühle so auszudrücken, wie es manche ohne Masken nicht können...und heuer, da haben sie ein echtes Flöz-Baby mit dabei.
Es war ein wunderbarer Abend – und was nur bei La Strada passieren kann, danach bin ich mit einem der beiden vom Circo Ripopolo, der sich an seinem freien Tag die Familie Flöz angeschaut hat, in ein nettes Gespräch gekommen – La Strada verbindet.

Familie Flöz "Garage d`Or". Noch Freitag und Samstag abend im Orpheum.
Foto: Jan von Holleben

Unser Dank für beide Berichte geht an Leserreporterin Ingrid.

02 August, 2010

La Strada Blog #4

Los2Play: "Comeback".



Auf dem Grazer Hauptplatz hatten die vier spanischen Artisten am Montag ihren ganz großen und 45 Minuten langen Auftritt. Zwei starke Männer und zwei zierliche Frauen führen da Akrobatik der Extraklasse vor, nur leider ist eine der Künstlerinnen mit großer Tollpatschigkeit geschlagen. So vermasselt sie jede Einlage, knurrt dafür grimmig und hüpft unmotiviert durch die Gegend. Ein großer Spaß, musikalisch untermalt von russischen und spanischen Melodien. In Szene gesetzt mit Unterstützung von Meister Leandre. Einer der Höhepunkte von La Strada 2010, da sind wir sicher. Stainz (KH Hubmann, 3. 8. um 21 Uhr) und Weiz (Südtirolerplatz, 4. 8. um 21 Uhr) können sich schon freuen.

© Foto La Strada

Und nun zwei Berichte von Leser-Reporterin Ingrid:

Circo Ripopolo



Im Oeverseepark in Graz gibt’s Besuch vom Zirkus und schon zu Beginn der Veranstaltung ist klar – das ist ein ganz besonderer Zirkus...Zwei Artisten, die nicht im „echten Zirkus“ auftreten, aber sehr viel echten Zirkus bieten – so echt, dass die Zeit fast stehenbleibt – so nehmen sie das Publikum mit ihren Aktionen gefangen...und „große“ und kleine Kinder erleben eine Stunde intensives Vergnügen – ohne spektakuläre Raubtiereinlagen, ohne atemberaubende artistische Darbietungen, doch mit feinen Angriffen auf die eigene Fantasie – mit viel Gefühl und Situationskomik, mit sensationeller Körpersprache und Mimik - man möchte gar nicht, dass dieser Zirkus zu Ende geht...

Weitere Vorstellungen am Dienstag, Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils 19.30 und 22 Uhr im Oeverseepark.
Circo Ripopolo "A Rovescio". Foto: Eva Verbruggen

Festival-Bar

Der Freiheitsplatz hat sich für La Strada schön gemacht – mit einer Bar, mit bunten Lampions, mit einer Video-Wall, auf der Bilder der La Strada Veranstaltungen zu sehen sind...und wenn das Wetter so sommerlich ist wie in dieser Woche, dann liegt über dem Platz eine südliche Stimmung...und die an den Tischen sitzen, lassen den La Strada Tag ausklingen...denn wenn man ein bisschen den Gesprächen lauscht, ja dann – bekommt man gute Hinweise, was man unbedingt noch bei La Strada sehen muss – hoffentlich geht sich das in dieser Woche noch alles aus...

01 August, 2010

La Strada Blog #3



Compagnie Lug – ein Mann und dennoch eine ganze Welt. Ein Abend des allerfeinsten La Strada-Erlebnisses. Kaum zu glauben, dass da tatsächlich nur ein Mann und ein kleiner Hund auf der Bühne gewesen sind... Denn da waren ein trauriger Verliebter, der vergeblich auf seine Liebste gewartet hat – ein Künstler mit seinem ganzen Haushalt in schweren Koffern auf dem Rücken – ein umwerfendes Paar auf einem Rad – eine Mutter mit Kinderwagen – ein großer Mann mit einem wunderschönen Herzen, in dem sich seine Liebste zu zarten Klängen dreht, ein Hund und sein Herrl oder doch ein Herrl und sein Hund, bei denen nicht erkennbar war, wer wen nachahmt – eine über die Bühne wirbelnde Hochzeitsgesellschaft – und – und – und...

Etwas mehr als eine Stunde und eine Aneinanderreihung von komischen, umwerfenden, poetischen, nachdenklichen, leisen, lauten und insgesamt berührenden Momenten – dieser Mann ist alles in einem - ein Pantomime, ein Clown, ein Artist, ein Schauspieler, ein Komiker, ein Puppenspieler -mit einem Wort ein „La Strada Künstler“.

Bericht von Haubentaucher-Leserreporterin Ingrid.
© Foto: La Strada 2010.