31 Mai, 2010

Haubentaucher des Monats: Der Mann mit den Terror-Daten


Die Geschichte klingt wie ein neuer Streich des deutschen Satiremagazins Titanic oder wie eine PR-Aktion von Sasha Baron Cohen. Leider ist beides nicht der Fall. Dümmer als die Polizei erlaubt ist daher wohl jener Grazer, der versuchte Millionen zu lukrieren, in dem er sich reihenweise an US-Behörden wandte und behauptete, er habe geheime Daten über Terroristen gesammelt. Nun ist das FBI ja auch nicht ohne Fehl und Tadel unterwegs in letzter Zeit, aber die Amis für so dämlich zu halten, ist schon wieder fast hohe Kunst. Der gute Mann ist jedenfalls jetzt in Haft und damit auch in Sicherheit - vor seinen eigenen guten Geschäftsideen.

Quelle: ORF

CD des Monats Juni

William Fitzsimmons: "Derivatives"




Der bärtige Chef-Romantiker Fitzsimmons, der übrigens gerade durch unsere Lande tourt, hat eine neue Remix-CD am Markt. Muss man sich auch erst einmal getrauen, "I kissed a girl" so zu bringen. Vor allem seine herzerweichenden Nummern "I don't feel it anymore" oder "So this is goodbye" gewinnen durch die Bearbeitungen noch zusätzlich an Kraft. Man darf das hier ganz klar sagen: Der Mann ist einfach Klasse. Live zu hören am 1. Juni in Wien und am 2. Juni im Schloss Hartberg.

Tourdaten auf der offiziellen Website des Künstlers.

Haubentaucher Spezial: Reiseliteratur

Rechtzeitig vor den Sommerferien hier ein Überblick über neue Bücher, in denen das Reisen auf die eine oder andere Art thematisiert wird. Sehr unterschiedliche Werke wohlgemerkt - nicht nur, was den Inhalt anlangt, sondern auch die Qualität.



Helge Timmerberg: "Der Jesus vom Sexshop", rowohlt 2010.

Der deutsche Journalist und Autor Timmerberg ist ein wilder Hund. Seit er 17 ist, fährt er durch die Weltgeschichte und spart dabei weder "Krisenregionen" aus noch intime Details aus seinem Leben. Sex, Drugs & Rock'n'Roll pur. Flott und spannend geschrieben. Es gibt Leute, die Timmerberg enormen Narzissmus nachsagen, ihm wird das wurscht sein. Lesenswert ist das neueste Buch auf jeden Fall. Die ideale Einstiegsdroge in den Kosmos von Timmerberg, der gar nicht mikro ist. ***** von der Haubentaucher-Redaktion.





Christian Eisert: "Tacho Man", Blanvalet Taschenbuch 2010.

Christian Eisert schreibt hauptberuflich Gags und Dialoge für das Medium Fernsehen (Harald Schmidt z.B.). In "Tacho Man" unternimmt er eine Reise quer durch Deutschland und zwar mit einem Porsche Cayman. Er ist sich bewusst, dass dieses Gefährt eigentlich für alte reiche Säcke gedacht ist, aber zur Eroberung der Frauenherzen ist ihm jedes Mittel recht. Leider trifft er ständig nur Ex-Freundinnen und erlebt so reihenweise ernüchternde Erfahrungen, nicht zuletzt auch beim Tanken, denn "Porschelchen" hat andauernd großen Durst. Ein lustiges, facettenreiches Buch, mit sehr schönen kleinen Szenen. Unspekatulär und uneitel, das genaue Gegenteil von Timmerberg also, als Kontrastprogramm perfekt geeignet. ****





Clemens Haipl: "Sind wir bald da?", Residenzverlag 2010

Gleich vorweg: Clemens Haipl ist als Komiker im TV sehr witzig und sympathisch obendrein. Die Idee des Buches ist auch originell: Haipl wagt sich auf den Jakobsweg, interpretiert ihn aber neu. Er fährt mit seinem Mazda alle möglichen St. Jakobs in Österreich ab. Leider ist das alles, was man Positives über das Buch sagen kann. Die ersten 100 Seiten sind langweiliges Geschwätz. Es reicht nicht, ab und zu ein Bier trinken zu gehen, um die Leserschaft bei Laune zu halten. Dann geht die Reise endlich los, aber Haipl bietet uns keine Beschreibungen der Orte, sondern weiterhin nur belanglose Selbstgespräche. Wie meinte Redaktionsmitglied R.S. so hart wie treffend: "Wenn ich noch einen Satz von C. Haipl lesen muss, stürze ich mich von der historischen Eisenbahnbrücke in St. Jakob im Defreggental!" *

Video des Monats: Sonneborn von der EU, wir kommen wegen Griechenland

Der beste aller deutschen Comedians sammelt für die Griechen.

15 Mai, 2010

Buchvorschau

Die Haubentaucher-Redaktion präsentiert: "Angerichtet. Das schaurig-schöne Dasein als Restaurantkritiker" erscheint im Oktober 2010 im Leykam Verlag. Ca. 180 Seiten Lebensbeichte. Ziemlich sicher zahlreiche deprimierende Gastrofotos. Wichtige Tipps und nützliche Adressen zur Erkundung der steirischen Gastronomie. Wohlfeil um 19,90 EUR. Vorbestellungen und weitere Infos unter office@haubentaucher.at - einen Vorgeschmack gibt es in der Mai/Juni-Ausgabe des FAQ-Magazins

05 Mai, 2010

Film des Monats Mai

Kick off - eine Geschichte von Siegern.
Von Hüseyin Tabak.



Die Story ist bitte die Folgende: 2003 erfindet Harald Schmied, damals Chefredakteur des Megaphon, gemeinsam mit Mel Young eine Veranstaltung für das Kulturhauptstadtjahr. Die "Obdachlosen-Fußball-WM" (Homeless World Cup) wird ein großer Erfolg und findet nunmehr regelmäßig an wechselnden Standorten statt. 2008 war Melbourne an der Reihe und unsere Film-Helden, ein Dutzend Österreicher, die teilweise über migrantischen Background, vor allem aber über reichlich Erfahrung mit Drogen, Obdachlosigkeit und zuweilen sogar Knast verfügen, haben sich für die WM qualifiziert. Regisseur Tabak, selbst ein früherer Streetsoccer-Spieler, greift sich vier Protagonisten heraus und schildert ihre Gegenwart. Dabei hält er sich als Interviewer zurück und lässt die Gesprächspartner so viel erzählen wie sie wollen. Es bleibt also auch manches rätselhaft, was in diesem Fall voll okay ist. Der Fußball kommt eigentlich bis zur Abreise der Mannschaft nur am Rande vor, das ist tatsächlich ein bisschen schade, denn es wäre für Fans wie unsereinen interessant gewesen zu erfahren, wie ein Profi wie Gilbert Prilasnig Hobbykicker wirkungsvoll coacht. Anyway: Die WM läuft gut, allerdings ist irgendwann doch Endstation und die österreichischen Nationalkicker lernen auch das Verlieren ohne Wutausbrüche zu ertragen. Ein bunter, froher, optimistischer Film mit wirklich wunderbaren Protagonisten. Große Gefühle und ein deutliches Bekenntnis zu Österreich als geografische, soziale und kulturelle Heimat, das man so vielleicht gar nicht bei dem einen oder anderen erwartet hätte. Bei der Diagonale preisgekrönt, läuft "Kick off" jetzt regulär in den österreichischen Kinos an.

Link zur Filmwebsite
©Foto: Haubentaucher.at

03 Mai, 2010

Ausstellung des Quartals

Véronique Vial: Women & Men before 10 a.m.





Die französische Fotografin wurde berühmt durch ihre Fotos von prominenten Damen und Herren, die sie in der Früh aufnahm. In der Regel waren die Stars zu dieser Zeit tatsächlich noch ungeschminkt, einige schliefen sogar noch. Der Trick: Vial kam stets eine Stunde früher als ausgemacht war. Die sehenswerte Ausstellung im Atelier Jungwirth bringt nun die schönsten Aufnahmen aus der Serie großformatig nach Graz. Zu sehen bis 7. August am Opernring 12.

Di–Fr 10 bis 17 Uhr, Sa 10 bis 15 Uhr. www.atelierjungwirth.com



Copyright: Fotos Sofia Coppola & Jackie Chan ©Before 10am by Véronique Vial / CPi