Rechtzeitig vor den Sommerferien hier ein Überblick über neue Bücher, in denen das Reisen auf die eine oder andere Art thematisiert wird. Sehr unterschiedliche Werke wohlgemerkt - nicht nur, was den Inhalt anlangt, sondern auch die Qualität.

Helge Timmerberg: "Der Jesus vom Sexshop", rowohlt 2010.
Der deutsche Journalist und Autor Timmerberg ist ein wilder Hund. Seit er 17 ist, fährt er durch die Weltgeschichte und spart dabei weder "Krisenregionen" aus noch intime Details aus seinem Leben. Sex, Drugs & Rock'n'Roll pur. Flott und spannend geschrieben. Es gibt Leute, die Timmerberg enormen Narzissmus nachsagen, ihm wird das wurscht sein. Lesenswert ist das neueste Buch auf jeden Fall. Die ideale
Einstiegsdroge in den Kosmos von Timmerberg, der gar nicht
mikro ist.
***** von der Haubentaucher-Redaktion.

Christian Eisert: "Tacho Man", Blanvalet Taschenbuch 2010.
Christian Eisert schreibt hauptberuflich Gags und Dialoge für das Medium Fernsehen (Harald Schmidt z.B.). In "Tacho Man" unternimmt er eine Reise quer durch Deutschland und zwar mit einem Porsche Cayman. Er ist sich bewusst, dass dieses Gefährt eigentlich für alte reiche Säcke gedacht ist, aber zur Eroberung der Frauenherzen ist ihm jedes Mittel recht. Leider trifft er ständig nur Ex-Freundinnen und erlebt so reihenweise ernüchternde Erfahrungen, nicht zuletzt auch beim Tanken, denn "Porschelchen" hat andauernd großen Durst. Ein lustiges, facettenreiches Buch, mit sehr schönen kleinen Szenen. Unspekatulär und uneitel, das genaue Gegenteil von Timmerberg also, als Kontrastprogramm perfekt geeignet.
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Clemens Haipl: "Sind wir bald da?", Residenzverlag 2010
Gleich vorweg: Clemens Haipl ist als Komiker im TV sehr witzig und sympathisch obendrein. Die Idee des Buches ist auch originell: Haipl wagt sich auf den Jakobsweg, interpretiert ihn aber neu. Er fährt mit seinem Mazda alle möglichen St. Jakobs in Österreich ab. Leider ist das alles, was man Positives über das Buch sagen kann. Die ersten 100 Seiten sind langweiliges Geschwätz. Es reicht nicht, ab und zu ein Bier trinken zu gehen, um die Leserschaft bei Laune zu halten. Dann geht die Reise endlich los, aber Haipl bietet uns keine Beschreibungen der Orte, sondern weiterhin nur belanglose Selbstgespräche. Wie meinte Redaktionsmitglied R.S. so hart wie treffend: "Wenn ich noch einen Satz von C. Haipl lesen muss, stürze ich mich von der historischen Eisenbahnbrücke in St. Jakob im Defreggental!"
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