30 April, 2009

Haubentaucher des Monats Mai/national

Strache, HC - Rechenkünstler

Auf seinen neuen Anti-EU-Plakaten prangert der blauäugige Agitator aus Wien unter anderem die "Finanzmafia" an. Die Abscheu gegenüber Menschen, die mit Zahlen und Steuern umgehen, kommt bei Strache nicht von ungefähr. Wie Ex-Grünenchef van der Bellen kürzlich in einer wahren Lehrstunde des österreichischen Parlamentarismus vorführte, hat Strache nämlich anscheinend nicht den leisesten Schimmer von den Grundrechnungsarten. Gefragt, was seine gesammelten Forderungen an die Regierung in etwa an Kosten in Milliarden Euro bedeuten würden, hatte Prüfling Strache im Hohen Haus keine Ahnung. Hoffentlich wird der Mann nie Finanzminister.

Die Strache-Prüfung im Parlament hier als hübsches Video...

Haubentaucher Gewinnspiel im Mai

Unter allen, die mit Stichtag 5. Mai 2009 ein Haubentaucher-Newsletter-Abo besitzen, verlost der Haubentaucher in Kooperation mit Pumpkin Records, der Band The Trainleaders und der Edition Keiper wertvolle Kulturgüter aus Österreich.













Als da wäre die brandneue CD "with a flying white flag" von Bell Etage aus dem Hause pumpkin records, zwei fabelhafte T-Shirts der Trainleaders (einmal female, einmal male) und zwei Bücher aus dem Hause Keiper: Der Roman "Zweifellos" von Christof Huemer und das Kinderbuch "Wir sind Graz".

Teilnahmebedingungen: Sie senden ein formloses mail mit ihrem Namen und Postadresse sowie T-Shirt-Wunschgröße an office@haubentaucher.at - Sie nehmen damit am Gewinnspiel teil und erhalten in Zukunft kostenlos einmal im Monat den Haubentaucher-Newsletter. Ihre Daten werden nicht weitergegeben. Die Gewinner werden schriftlich verständigt. Wir danken unseren Partnern Pumpkin Records, Trainleaders und Edition Keiper. Viel Glück!

29 April, 2009

Magazin des Monats: Moff

Das Schundheftl von Gerhard Haderer feiert sein erstes Jahr nach der Wieder-geburt. Moff ist klein im Format, aber groß im Witz. Die Blauen und Orangen kriegen ebenso regelmäßig ihr Fett weg wie der kleine Werner und sein Sandkastenfreund Pepi. Mit der Kultfigur Bul (alias Pudel) und dem Starschnitt zum Sammeln (derzeit gerade Mitzi Fekter) zeichnet sich Haderer mitten hinein in die Popkultur. Und mit seinen Serien zu Jesus, dem Gröfaz und dem braven Beamten Novak hat sich der Oberösterreicher sicher schon viele Freunde in der Heimat gemacht. Alles Gute zum Geburtstag!

Tipp am Rande: Auf der Moff-Website kann man ein Abo bestellen und sich das neue Image-Video ansehen.

Entertainer des Monats

Julian Smith ist knapp über 20, hat reichlich Humor und Gespür für zeitgeistige Themen (iPhone, Facebook, Talent-Castings). Er nutzt das Web (insbesondere YouTube) zur Verbreitung seiner Videos und führt selbst eine schmucke kleine Website. Das besonders Angenehme: Smith ist dabei nie dämlich wie der deutsche Kollege Oliver Pocher und wenn er jemanden verarscht, dann durchaus mit Hang zur Selbstironie. Die schönsten Stückerln gibt es

hier
Und hier

CD des Monats / international

P.J.Harvey & John Parish: "A Woman a Man Walked By", 2009

Die gute alte Polly Jean ist wieder da, kraftvoll und wütend wie in ihren ersten Jahren. Die Arbeiten mit John Parish waren ja selten wirklich massenkompatibel, aber dafür musikalisch umso interessanter. Die neue CD des Duos ist rundum gelungen, rockt und kratzt und beißt. Anspieltipps: das himmelhoch gehauchte "Leaving California" und "The Chair" - nicht zu vergessen der punkige Klassiker in spe "Pig will not", der ältere Herrschaften fast ein wenig an The Fall erinnern könnte. Kaufen!

Werbung des Monats

Warum eigentlich lügt die Werbung so oft? Das hat sich wohl auch ein privater Verkäufer auf Ebay gedacht, der ein Damenrad der besonderen Sorte an den Mann (oder doch eher an die Frau?) bringen wollte. Und das Tollste an seiner ungewöhnlichen Bewerbung: Mit der ungeschönten Darstellung hat er am Ende sogar einen echten Kundennutzen herausarbeiten können. Genau so wie man es im Marketing-Kurs lernt.

Schauen Sie sich das an!

Buch des Monats Mai/Sachbuch

Peter Ackroyd: Die Themse. Knaus 2008.

Das kann auch nur ein Engländer: Fast 600 Seiten dick ist die "Biographie eines Flusses", die der Journalist und Autor Ackroyd über die gerade einmal 346 Kilometer lange Themse geschrieben hat. Ein monumentales Werk in jedem Sinne. Die Geschichte Europas, die Religion, Kriege, Flora und Fauna - es gibt nichts, was sich nicht in Verbindung mit Englands wichtigstem Gewässer bringen lässt. Ein tolles Buch von einem der ungewöhnlichsten Schriftsteller unserer Zeit. Ein gigantisches und meisterlich gut zusammengesetztes Konvolut an Recherche. Und eines der wenigen Bücher, das man auch selektiv lesen darf, ohne als Kulturbanause zu gelten.

Link zum Verlag

CD des Monats / National

Son of the velvet rat: "Animals", erschienen 2009 bei monkey.

Der Grazer Georg Altziebler ist einer von denen, die auf regionale Berühmtheit pfeifen und lieber mit internationalen Maßstäben gemessen werden. Die CD "Animals" klingt daher auch nicht wie Indie-Austro-Rock, sondern wie eine Ode an die großen alten nordamerikanischen Poeten Neil Young und Leonard Cohen - dabei ist der Sohn einer Samtratte selbst noch weit entfernt von der musikalischen Altersteilzeit. Ein ruhiges schönes Album, das sich nicht nur im Titel mit der Tierwelt beschäftigt.

© Foto: Son of the velvet rat

Und hier gibt es tierische Kostproben

Haubentaucher des Monats Mai/international

Big Brother Berlusconi.

Neue Gesichter braucht das Land, meint Silvio Berlusconi. Und der muss es ja nach seinen diversen "Schönheits-OPs" wissen. Fesch, jung und weiblich sollten sie sein. Und wenn man schon einmal so eine schöne Vorauswahl getroffen hat, kann man die Damen doch auch gleich ins EU-Parlament entsenden. Bisschen abstimmen und so. Klar, Onkel Silvio. Deine Initiative, 30 Frauen für eine EU-Wahl zu casten und ein Big Brother Starlet als Spitzenkandidatin zu erwählen, schlägt viele deiner Dummheiten bisher um Längen. Was heißt eigentlich „saumäßig peinlich“ auf italienisch?

Quelle: ORF

RS

Update: Mittlerweile hat Berlusconi auf die Kritik unseres Magazins reagiert und die Showgirls von der EU-Liste genommen!

Buch des Monats/Belletristik

Arto Paasilinna: Der liebe Gott macht blau. Verlag Edition Lübbe, November 2008.



Was passiert, wenn der liebe Gott seinen Job plötzlich hinschmeißen will? Er nimmt sich einfach eine Auszeit und holt Kranführer Birger Ryynänen als unerfahrene, aber engagierte Urlaubsvertretung. Der hatte mittels Stoßgebet einige Male um ein nicht ganz so langweiliges Leben angefragt. Was am Himmelthron dann so alles schiefgeht, kann nur einer erzählen – nämlich Parade-Finne Arto Paasilinna. Skurril, poetisch und komisch wie immer.

RS

Der steirische Brauch

Was haben wir im Marketing-Grundkurs gelernt? Wenn man etwas Besonderes, Unverwechselbares, Einzigartiges zu bieten hat ("Unique Selling Proposition"), muss man es auch kräftig kommunizieren. Und dann ist der Erfolg nur mehr eine Frage der Zeit.



27 April, 2009

Ideal für zwischendurch

b.o.s.: "1land", erschienen im April 2009 bei pumpkin records.

Eine unspektakulär aufgemachte CD, kein Name, der einem auf Anhieb viel sagt. Doch dann entpuppt sich die Platte mit dem seltsamen Titel "1land" als Kleinod. Die Stimme hat internationales Format, der Bass ist souverän. Die restliche Instrumentierung mit Elektronik, Gitarre, Bass, Drums, Mandoline und Bouzouki ist mit "schön ruhig" und "erinnert angenehm an das Werk von Kurt Gaulhofer" wohl treffend beschrieben. Dort am besten, wo keine fremden Akzente nachgeahmt werden.

01 April, 2009

Haubentaucher des Monats: Jeb Harrison und Kollegen

Ein cleverer Lehrer kommt selten allein.

Eines vorweg: Wir haben selbst schon mal ein bisserl unterrichtet und finden den Lehrerjob absolut nicht easy. Werbung in Schulen ist an sich ebenfalls nichts Neues. Unsere moralische Entrüstung ob der frühen Verführung der Kinder zum „bösen“ Konsum hält sich also in Grenzen. In den USA scheint man in dieser Hinsicht jedoch besonders liberal zu denken. Clevere Lehrer wie Jeb Harrison zum Beispiel – er lehrt sinnigerweise Ökonomie an einer Schule in Idaho – verkaufen nun sogar Werbeflächen auf Prüfungsbögen. Und zwar an Junk-Food-Firmen. Ein Mathematikprofessor in San Diego hat auf ähnlich geschmackvolle Weise satte $625 pro Semester verdient. Na dann, Mahlzeit!

Quelle: Werbeblogger

Link des Monats April

Garfield ohne Garfield.

Was bleibt, wenn man aus dem Garfield-Comic, die fette, faule und freche Katze raus retouchiert? Nichts Vernünftiges meinen Sie? Von wegen! Was bleibt, ist das Leben eines Singles, der aus Einsamkeit mit sich selbst und mit seinem Essen redet. Paradox komisch, hoch philosophisch und depressiv zugleich. Dieser völlig neue Jon hat mehr zu sagen denn je. Lachen und weinen Sie mit ihm auf...

Garfield MINUS Garfield

Einfach grandios!

Buch des Monats April

Ali Rap.
Muhammad Ali, The First Heavyweight Champion of Rap.
Edited and designed by George Lois
Verlag: Taschen

„The first person I ever knocked out was my mom“ (Baby Cassius accidentally hit his mother in the mouth, loosening two front teeth that had to be pulled). Mit diesem O-Ton eröffnet eines der schönsten Bücher, die je über die Boxlegende Muhammad Ali herausgegeben wurden.

Dass The Greatest nicht nur einen starken Haken, sondern auch ein scharfes Mundwerk besaß, wissen alle Fans des Champs. In diesem Buch finden sie nun eine wunderbare Sammlung seines schwarzen Humors, seiner ge-rapten Kampfrufe und seiner couragierten Statements.

Weltklasse designt und 300 Seiten stark, macht sich dieses Schwergewicht in jedem Bücherregal gut.

Zum Verlag

CD des Monats / international

Micah P. Hinson: "& the Opera Circuit", 2006

Der eigenwillige junge Amerikaner Hinson hat zwar in der Zwischenzeit bereits ein weiteres Album veröffentlicht, dennoch wollen wir hier und jetzt die 06er-Platte "Opera Circuit" hypen. Die CD wurde hierzulande eher selten besprochen, international konzentrierte sich die Musikpresse auch lange Zeit lieber auf den früher reichlich unsteten Lebenswandels des Sängers und Musikers Hinson, statt ausführlicher über seine unzweifelhaften Qualitäten zu schreiben. "Opera Circuit" vereint Gitarren, die dem alten Neil Young zur Ehre gereichen würden, eine der traurigsten Mundharmonikas der letzten vier Jahrzehnte und eine eindrückliche Stimme, die zart Besaitete schon mal zu einem Tränchen bringen könnte. Doch bevor es zu depressiv wird, kommt das Banjo ins Spiel und führt uns in den Friedhof, wo Mr. Hinson mit eigenen Händen gerade ein Grab aushebt. Persönlicher Haubentaucher-Favorit ist "Jackeyed", die beste Nummer für verkaterte Nachmittage, die bisher im 21. Jahrhundert geschrieben wurde.

Website von Micah P. Hinson

Magazin des Monats: Schau

Natürlich kann man Jugendliche auch einfach mit (v)erlogenem Info-Müll abfüllen wie es her-kömmliche Zeitungen und Zeitschriften so gerne tun, dazu noch ein Star-Poster von Rihanna und Zac Efron und fertig. "Schau", das neue Kunst-Mag für die Jugend von heute, geht einen anderen Weg. Statt J-Lo also Maria Lassnig, ist doch sowieso keine Frage, wer von den beiden in Wahrheit cooler ist. Statt Guy Ritchie Edgar Honetschläger, auch gut. Und statt MTV die Ars Electronica. Gute Idee!

Hier ansehen und bestellen.

CD des Monats /national

Ernesty International. Erschienen im März 2009 bei pumpkin records.

















Im vergangenen Jahr gelang der Wiener Band Bell Etage ein veritabler Überraschungserfolg; jedenfalls in unserer Redaktion zählte die CD zu den beliebtesten ihrer Art seit langem. Nun sorgt der Sänger der Band, Ernst Tiefenthaler, für ein weiteres Highlight made in Austria. "Ernesty International" ist geprägt von seiner melancholischen unverwechselbaren Stimme, zahlreichen eher skurrilen Instrumenten im Hintergrund und einem geradlinigen Sound, der sich dezent an internationalen Größen wie Calexico oder Lambchop orientiert. Anspieltipps: das prototypische Stück "Causing a Change in the Weather", das düster-flotte "Master & Child" und die großartige Nummer "Francis Ford Coppola", irgendetwas davon schreit geradezu nach einer Verwertung im Rahmen eines Filmsoundtracks.

Link zur Plattenfirma