02 Mai, 2007

Haubentaucher des Monats Mai: Gilberto Kassab, Bürgermeister von Sao Paulo

Sao Paulo hat alles. Industrie und Banken, Formel 1-Rennen und Kunstbiennale. Nur eines hat die reichste Stadt Brasiliens nicht: Werbung. Die ist nämlich seit 1. Jänner im öffentlichen Raum verboten. Verordnet wurde der totale Kahlschlag aller Plakatwände, Citylights, Neons und Reklameschilder von Bürgermeister Gilberto Kassab. Heute, vier Monate nach dem Erlass, sind die Straßen Sao Paulos leer gefegt. Und da der Bürgermeister gerade so schön beim Saubermachen ist, hat er auch gleich die traditionellen Marktschreier verboten. Geht es nach dem liberalen Politiker, sollen Marktbesucher jene Verkäufer anzeigen, die ihre frischen Melonen weiterhin lautstark feilbieten. Bei wiederholter Ruhestörung drohen Strafen und Lizenzentzug. Ob Kassab mit solchen Maßnahmen bei den 11 Millionen Paulistanos Werbung für sich macht, bleibt fraglich.

Auslöser der monströsen Aktion waren übrigens rund 13.000 illegal montierte Anzeigentafeln. Eine Regulierung hätts auch getan.

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Blog des Monats: Der Mattin

Manchmal sind es nicht die großen Neuigkeiten, sondern die kleinen privaten Rand-Bemerkungen, die das Leben im Netz sympathisch machen. Der Mattin , ein junger Mensch aus Graz, ist so einer, der nicht nur popkulturelle Empfehlungen parat hat, sondern auch nette kleine Texte (z.b. über seine Familie) schreiben kann.

CD des Monats: Grinderman

Nick Cave, Warren Ellis, Marty P. Casey und Jim Sclavunos
Mute Records, 2007

Nick Cave hat für sein viel beworbenes Vier-Herren-Projekt „Grinderman" nicht nur Lob geerntet. Wohl deshalb, weil man von der neuen Combo auch einen neuen Sound erwartet hatte. Doch Cave bleibt Cave. Und das ist gut so. Raubeinig und unrasiert läuft der Meister des dunklen Gemurmels mit seinen gitarrenschweren Begleitern zu Bestform auf. Grrr......inderman!

Buch des Monats: sound bites.

Von Alex Kapranos. Erschienen 2007 bei kiWi Paperback.

Mr. Kapranos, der mittlerweile weitgereiste Sänger von Franz Ferdinand, ist gelernter Koch/Kellner. Die englische Zeitung "The Guardian" kam auf die verdammt geniale Idee, ihn zum Gastrokritiker umzufunktionieren. Diese kleinen Texte sind samt Illustrationen eines weiteren FF-Mitglieds nun auch als - gut übersetztes - Buch erhältlich. In "Sound bites" beschreibt Kapranos kulinarische Erlebnisse aus vielen verschiedenen Gegenden der Welt. Schottland, Spanien, USA, Australien und sogar Deutschland werden behandelt, wobei Details zum verzehrten Essen eher Seltenheitswert haben. Kapranos lebt die Liebe zur Anekdote voll aus und erzählt von ersten Kotz- und Würgerfahrungen genauso wie von einem übergossenen Torwart (Rangers), von "wütenden Gewürzen" und von Oben-ohne-Bars in Prag. Wer herkömmliche Reiseberichte, 0815-Restaurantkritiken oder Stories von Rockstars in zerstörten Hotelzimmern langweilig findet, sollte sich "sound bites" zulegen. Dieses flott geschriebene aber dennoch tiefgründige Buch gehört in jede neue Sammlung des kulturellen Halbwissens.